Kredite sind nützliche Finanzinstrumente – warum viele Deutsche das noch anders sehen

by thomas
Kredite sind in vielen Fällen hilfreiche Tools.

In Deutschland haben viele Menschen ein Problem damit, sich zu verschulden. Auch Kredite beziehungsweise Darlehen werden skeptisch betrachtet.  Ganz anders ist dies etwa in den USA. Eine hohe private Verschuldung ist hierzulande immer noch mit gewisser Scham verbinden, wie eine spannende Studien nachweist. Zu unrecht, wie man sich bewusst machen sollte. Immerhin gilt dieser Umstand nicht unbedingt für jede Form des Schulden Machens. Und überhaupt stellt sich die Frage, weshalb man hierzulande überhaupt so denkt. Sollte man sich wirklich dadurch beeinflussen lassen? Vor allem dann, wenn man sich einen lange gehegten Traum erfüllen will, erscheint dies fragwürdig.

Weshalb Deutsche sich verschulden

Die EOS Studie beschäftigt sich ganz mit dem Thema Privatverschuldung. Die zuletzt im Jahr 20917 erschienene Studie hat ergeben, dass Deutsch vor allem für drei Dinge bereit sind Schulden aufzunehmen:
82% Prozent aller Deutschen haben angegeben, am ehesten für Immobilien Kredite aufzunehmen. Der Erwerb eines Autos oder Motorrads kommt hingegen erst auf Platz zwei mit 56% Prozent. Auf den weiteren Plätzen folgt die Verschuldung für Haushaltsgeräte (20%) und Unterhaltungselektronik (8%).

Grundsätzlich ist man also dazu bereit, mitunter Schulden aufzunehmen, wenn es sich um entsprechend anerkannte, sozial akzeptierte Schulden handelt. So wie etwa für Hypothekardarlehen oder Autokredite. Dich für viele andere Dinge empfindet der durchschnittliche Deutsche eine gewisse Scham, seine finanziellen Möglichkeiten durch fremde Hilfe auszuweiten. Besonders deutlich wird dies, wenn man vergleicht, wie gut Deutsche mit Zahlungsausfällen zurecht kommen. Auch im Vergleich zu Menschen aus anderen Ländern:

So fühlen sich sowohl US-Amerikaner, als auch Russen zu gleichen Zahlen schlecht, wenn sie ihre Schulden einmal nicht begleichen können: Nämlich zu 76%. Bei Deutschen ist diese Zahl weitaus höher: Mit 91% schämen sich noch viel mehr Menschen dafür, wenn sie in eine solche Situation geraten. Diese soziale Norm ist wohl ausschlaggebend dafür, dass die Deutschen ein wesentlich entspannteres Verhältnis zu ihren Schulden haben.
Dass dies eine rein soziale Angelegenheit ist, zeigt sich in anderen Ländern wie eben in den USA, wo es völlig normal ist, dass man sich verschuldet.

 

Kredite in den USA eher anerkannt.

Gründe für Rückzahlungsprobleme

Wenn es bei Deutschen dazu kommt, dass sie in Probleme mit der Rückzahlung von Krediten geraten, so gibt es mehr oder weniger zwei zentrale Begründungen. 29% geraten in die Arbeitslosigkeit und 24% überschätzen sich in ihren Fähigkeiten der Rückzahlung. Da vor allem die Arbeitslosigkeit ebenfalls ein soziales Stigma darstellt, zeigt sich umso deutlicher, weshalb Deutsche ein schwierigeres Verhältnis zu Schulden haben, als etwa Amerikaner oder Russen.

Überschuldung und psychische Erkrankungen

Konkret trifft die Situation der Überschuldung in Deutschland ungefähr drei Millionen Menschen. Spannend in diesem Zusammenhang ist diese Tatsache. Unter den privaten Schuldnern ist die Rate von psychischen Erkrankungen wesentlich höher, als bei anderen Menschen. Diese statistische Auffälligkeit ist übrigens in Deutschland deutlich stärker ausgeprägt, als in anderen Ländern, wie etwa in den USA.

Kredite in Deutschland.

In Deutschland geben mehr als 60% aller Menschen, die in der Schuldenfalle sitzen an, psychische Probleme zu haben – vor allem dann, wenn sie zusätzlich sozial isoliert sind. Vor allem Menschen, die keinen Ausweg aus dieser Situation sehen und finden wollen, sind stark belastet. Bei Menschen, die Privatinsolvenz beantragt haben, fällt diese Belastung in den meisten Fällen weg.

Diese Ergebnisse werden durch eine Studie des Soziologen Heiko Rüger von der Universität Mainz belegt. Diese ist in der Fachzeitschrift „PPmP Psychotherapie, Psychosomatik, Medizinische Psychologie“ erschienen. Es zeigt sich, dass in Sachen Schulden noch viel unternommen werden muss. Denn es gibt objektiv nicht viele Gründe dafür, eine solche Situation grundsätzlich zu verdammen.

 

Soziale Akzeptanz von Krediten

Wenn man nach den Gründen für diesen Umstand sucht, wird schnell deutlich, dass Schulden machen in den USA in der Gesellschaft deutlich eher akzeptiert wird, als in Deutschland. Tatsache ist: In den USA ist dies völlig normal, in Deutschland will man dies hingegen eher verheimlichen. Dies hat damit zu tun, dass zum einen Kreditkarten und andere Finanzprodukte seit vielen Jahren länger auf dem Markt sind, und somit längst tieferen Einzug in den Alltag gefunden haben. Zum Anderen gibt es etwa in Deutschland ein wesentlich besser funktionierendes soziales Auffangnetz, und etwa staatliche Leistungen wie eine Gesundheitsvorsorge. In den USA, wo viele Menschen nicht versichert sind, und im Falle der Arbeitslosigkeit ebenso wie im Krankheitsfall selbst für die entstehenden Kosten aufkommen müssen, gibt es nicht selten gar keine andere Möglichkeit, als Schulden aufzunehmen.

Es ist also letztlich klar, das Kredite nicht grundsätzlich etwa schlechtes sind, im Gegenteil. Sie ermöglichen finanzielle Flexibilität, wenn sie eben benötigt wird, und das auch ohne das soziale Umfeld in Anspruch zu nehmen. Weiters leisten Kredite einen wichtigen Beitrag für die Wirtschaft. All diese Gründe sprechen für Kredite, und zeigen, dass diese zu Unrecht in Deutschland aktuell noch deutlich kritischer gesehen werden, als dies etwa in den USA der Fall ist.

 

Kredite sind in vielen Fällen hilfreiche Tools.

Insgesamt wird also klar, dass Kredite in Deutschland bislang nicht nicht denselben wichtigen Stellenwert in der Bevölkerung einnehmen, den sie sich verdient hätten. Denn Kredite ermöglichen nicht selten die Realisierung von wesentlichen Schritten im Leben, und sie leisten einen Beitrag für ein funktionierendes Finanzsystem. Auch für Menschen in Deutschland sollte die Aufnahme von Schulden, sofern dies aus vernünftiger Basis geschieht, allgemein mehr zu akzeptieren. Und auch wenn eine Situation ins Unglück führt, bedeutet dies noch lange nicht, dass die betroffenen Menschen sozial stigmatisiert werden sollten.